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Wahrheit als Kosten-Nutzen-Rechnung

Ein Essay über epistemische Räume & ein Modellierungsversuch (In Entwicklung)

 

Die Suche nach der Wahrheit

In einer sogenannten postfaktischen Gesellschaft wird Wahrheit zunehmend zum Streitfall. Polarisierte Diskurse, tiefe Meinungsgräben und der Vertrauensverlust gegenüber Medien oder Institutionen führen zu einer Krise des gemeinsamen Erkenntnisraumes. Wenn jede Seite der anderen abspricht, überhaupt auf derselben Grundlage zu argumentieren, kommt es zu dem, was Robert Talisse als deep disagreement bezeichnet: Ein Dissens über grundlegende epistemische Bedingungen des Diskurses.

Doch was ist überhaupt Wahrheit, und was eine Lüge ?

Und kann man sie als Gegensätze betrachten?

 

Oft wird zwischen subjektiver Wahrheit (Überzeugung, Perspektive) und objektiver Wahrheit (Fakten) unterschieden. Doch was gilt als Fakt ? Das hängt vom epistemischen Raum ab, eben jenem Rahmen aus Begriffen, Methoden und Voraussetzungen, in dem Wissen entsteht. In pluralistischen Gesellschaften mit vielfältigen Informationszugängen entstehen schnell unterschiedliche epistemische Räume: Klimapolitik, Impfdebatten oder geopolitische Narrative zeigen, wie wenig selbstverständlich gemeinsame Grundlagen geworden sind.

 

Aus aktuellem Anlass mal ein Beispiel: In der oppositionellen russischen Presse, der ich durchaus sympatisiere, tauchen manchmal Informationen auf, die gut in die eigene Gegen-Putin-Gegen-Krieg-Erzählung passen (der ich ebenfalls sehr sympatisiere), etwa über Korruption, Repressionen oder Kriegsverbrechen. Wenn sich später herausstellt (was kürzlich wieder mal passierte), dass einer der Sendungen aus Versehen ein Fake beigemischt wurde, zeigt sich ein paradoxes Ideal: Die Medien, die ihre Fehler sofort transparent einräumten, stärkten gerade dadurch ihre Glaubwürdigkeit. Wahrheit wird hier nicht als Besitz, sondern als Praxis sichtbar. Als Fähigkeit und Mut zur Selbstkorrektur.

 

Lüge als Vorsatz: Die Intentionalität der Falschaussage

Die Lüge dagegen ist keine bloße Unwahrheit, sondern eine vorsätzliche Inkohärenz zwischen dem, was jemand glaubt, und dem, was er sagt. Wer etwas Falsches sagt, ohne es zu wissen, lügt nicht, sondern irrt. Damit ist die Lüge immer auch ein moralischer und psychologischer Akt, denn sie setzt ein inneres Wissen um die Wahrheit voraus (worin man sich wieder irren kann, natürlich, aber es geht um diese innere Diskrepanz).

 

Daraus folgt also ein vorläufige Definition:


Lüge = inkohärente Aussage bei gleichzeitigem Wissen um die Unwahrheit + Vorsatz zur Täuschung

 

Diese Differenz ist entscheidend: Journalistische Fehler wie im obigen Beispiel sind keine Lügen, sofern keine Täuschungsabsicht dahintersteht.

 

Die Lüge als soziale Praxis: Kultur, Höflichkeit, Macht

Die Lüge ist aber kein Ausrutscher am Rand der Gesellschaft, wie wir gerne glauben würden, sie ist ihr Fundament. Yuval Noah Harari nennt in Eine kurze Geschichte der Menschheit Mythen, Rituale und Fiktionen, auf denen Zivilisationen beruhen, notwendige soziale Konstruktionen und damit produktive Lügen. Auch die höflichen Floskeln des Alltags: Wie geht’s dir? sind meist nicht ehrlich gemeint, sondern Teil eines kulturellen Skripts. Oder kennt ihr nicht das Unbehagen, wenn jemand plötzlich doch unvermittelt erzählt, wie es ihm wirklich geht? 

 

Die Kinder sind am Anfang noch im sozialen Miteinander ein ziemlich leeres Blatt, und sagen alles gerade heraus. Die Eltern wissen, was ich meine. Wo man daneben steht und bitte leise flüstlert und am besten in den Boden versinken würde vor Scham. Und doch auch die Kinder lernen früh, solche netten Lügen zu nutzen: Sie glauben an den Nikolaus, auch wenn sie längst ahnen, wer wirklich hinter dem Geschenkpapier steckt. So kriegen sie ihre Geschenke halt doppelt - vom Nikolaus und von den Eltern.

 

Gesellschaftliche Höflichkeit, kann man unterm Strich sagen, ist eine ritualisierte Form von Lüge, mit dem Ziel, Reibungen zu vermeiden und Harmonie zu erzeugen. Unser Smalltalk, Manieren oder diplomatische Sprache operieren auf einem Konsens der Nicht-Wahrheit; wir wissen, dass nicht alles wörtlich zu nehmen ist, und tun es trotzdem.

 

Die Lüge als Machtmittel

Lügen dienen aber nicht nur der Höflichkeit, sondern (leider) auch der Herrschaft. Wer die Wahrheit kontrolliert, kontrolliert das Bild der Welt. Das zeigt sich in autoritären Systemen, aber auch in subtileren Formen: Politik, Kirche und Werbung arbeiten mit Narrativen, die nicht notwendigerweise wahr sind, aber, wenn wir davon ausgehen, dass sie nicht in your face lügen, dass sie teils mit Teilwahrheiten, teils durchs Verschweigen eine Überzeugung erzeugen wollen.

 

Wahrheit, Lüge und die Kosten-Nutzen-Rechnung

Die Lüge folgt oft einem rationalen Kalkül: Was habe ich zu gewinnen, wenn man mir glaubt, und was zu verlieren, wenn man mich überführt? Diese Kosten-Nutzen-Funktion bildet das Fundament vieler Alltagsentscheidungen. Selbst Schweigen oder Halbwahrheiten sind Varianten dieser Kalkulation.

 

Lügenformel (vereinfachte Heuristik):
Lüge = (subjektive Wahrheit ≠ ausgesprochene Aussage) × (Vorteil – Risiko)

Dabei ist die Wahrheit nicht einfach das Gegenteil der Lüge, sondern die Entscheidung, trotz möglicher Nachteile kongruent zu denken und zu sprechen.

 

VII. Subjektive Wahrheit: Überzeugung, Selbsttäuschung, Manipulation

Interessant wird es, wenn Menschen sich so oft selbst belügen, dass sie an ihre Lügen glauben.

Putins Regime hat offenbar (so Muratow aus Nowaja Gazeta) so lange eigene Propaganda gesendet und sie selber dabei gefressen, bis selbst die Machtspitze von der Idee überzeugt war, die Ukraine in drei Tagen einnehmen zu können. Eine Lüge wurde durch Wiederholung zur geglaubten Wirklichkeit, auch für den Lügner selbst.

 

So verschwimmt dann die Grenze zwischen Lüge und Irrtum. Auch die Lügendetektoren messen ja keine Wahrheit, sondern physiologische Erregung, wer aber fest an die eigene Unwahrheit glaubt, kann sie wahr wirken lassen.

Bei extremen Grenzverschiebungen zwischen Lüge und Irrtum, in Form einer gestörten Realitätsverarbeitung, wird  Münchhausen-Syndrom diagnostiert.

 

Bis hierhin kann man also festhalten:

  • Wahrheit und Lüge sind keine starren Gegenpole, sondern ineinanderfließende Zustände, wo oft Zwischentöne möglich sind (Verschweigen, nette Lüge, Irrtum, Teilwahrheit etc.)
  • Lüge ist immer vorsätzlich, ohne Vorsatz ist es ein Irrtum. Die beiden können sich zueinander aber auch fluide verhalten, vor allem, wenn die Lüge oft wiederholt wird.

 

Tiere, Täuschung und evolutionäre Intelligenz

Auch in der Tierwelt gibt es Formen von Täuschung. Rabenvögel "belügen" ihre Artgenossen, indem sie falsche Verstecke vortäuschen, wenn sie bemerken, dass sie beim Verstecken der Beute beobachtet werden. Der evolutionäre Vorteil liegt auf der Hand: Wer täuschen kann, schützt Ressourcen oder sichert Vorteile.

 

An der Stelle finde ich es wichtig, folgendes hizuzufügen: Selbst wenn wir zum Teil instinktgesteurent sind und uns durch unser Unbewusstsein leiten lassen, können wir trotzdem, gerade auch mit dem Blick auf die Tiere, eine Kosten-Nutzen-Funktion der Wahrheit-Lüge-Anteil-Optimierung vorschlagen. Unsere Gesellschaft ist durchritualisiert, die Lüge gehört zum Alltag, und nun versuchen wir uns ihr durch eine Formel anzunähern.

 

Davor aber noch eine Zäsur:

 

Zwischen Bewertung und Wahrheit

Wahrheit ist bei uns oft moralisch aufgeladen; wir wollen das Gute, das Richtige. Doch jede Wahrheit entsteht ja primär aus Bewertung: Ich sehe etwas, bewerte es als richtig oder falsch, und handle entweder im Einklang mit meiner Bewertung und sage die sogenannte Wahrheit oder ich handele dagegen, und was dabei rauskommt, ist eine Lüge. Beides ist dabei abhängig von meinem subjektiven Urteil, welcher auf ebenfalls subjektiven epistemischen Räumen basiert. Die Wahrheit ist also weder von vorn herein positiv aufgeladen, noch kann sie absolut sein. Sie ist eine der beiden möglichen Folgen von Perspektive, Kontext und Urteil. 

 

 

Wahrheit und Lüge sind also keine absoluten Pole. Sie sind ein Ausdruck eines komplexen Verhältnisses zwischen Überzeugung, Handlung und Kontext. Sie sind relationale Dynamiken in einem Netz aus epistemischen Räumen, psychologischen Mustern, sozialen Regeln und kulturellen Narrativen.

 

In Zeiten fragmentierter Öffentlichkeit und algorithmisch kuratierter Informationen wird es immer schwieriger, Wahrheit zu behaupten und immer wichtiger, die Bedingungen ihrer Möglichkeit zu reflektieren.

 

Damit die Formel auch Ausdruck der Hoffnungslosigkeit bleibt (wir handeln eh nur egoistisch aus der eigenen Nutzenmaximierung heraus), lohnt sich ein Blick auf die Formel aus der Perspektive, wie man einen höheren Nutzen für die Wahrheit produzieren kann, wenn man denn diese Wahrheit auch wirklich hören möchte. 

 

Hier kommt's also, der erste Modellierungsversuch (der natürlich noch viel Luft nach oben hat):

 

EIN DYNAMISCH-NORMATIVES ENTSCHEIDUNGSMODELL ZUR OPTIMIERUNG TEILWEISER WAHRHAFTIGKEIT

 

Grundstruktur des Modells:

 

Jede Aussage über ein Ereignis lässt sich aufspalten in zwei Komponenten:

  1. Faktische Ebene: Bezieht sich auf das, was passiert ist.

  2. Bewertende Ebene: Bezieht sich auf das, was das Subjekt davon hält (moralisch, emotional, sozial).

Daraus ergeben sich zwei Grundgrößen:

  • E ∈ [0,1]: subjektiver Evidenzgrad – wie sicher ist das Subjekt, dass das Ereignis stattgefunden hat?

  • V ∈ [0,1]: subjektiver Bewertungsgrad – wie richtig/falsch bewertet das Subjekt das Ereignis?

Diese beiden Größen beschreiben das innere Glaubensprofil.

 

Wahrheits- und Lügenanteile

Das Subjekt entscheidet, in welchem Umfang es die faktische Komponente (E) und die bewertende Komponente (V) ausspricht. Es entstehen zwei Wahrheitsanteile:

  • τE ∈ [0,1]: Anteil der faktischen Wahrheit in der Aussage

  • τV ∈ [0,1]: Anteil der bewertenden Wahrheit in der Aussage

Die komplementären Lügenanteile (da die Lüge bedeuten würde entgegen der eigenen Überzeugung zu handeln) ergeben sich durch:

 

λ− τE        ;       λ− τV

 

 

Jede Aussage lässt sich somit als Paar (τE, τV) auf dem [0,1]²-Raum darstellen (sie sind also jeweils eine Zahl zwischen 0 und 1). Das ermöglicht auch die Modellierung von Halbwahrheiten, Schweigen, Irrtum usw.

 

Kohärenzwerte

Die Kohärenz zwischen innerem Glauben und äußerer Aussage ergibt sich durch:

  • WE = τE · E: faktischer Wahrheitswert

  • WV = τV · V: bewertender Wahrheitswert

Die jeweiligen Lügenanteile sind:

  • LE = (1 – τE) · E

  • LV = (1 – τV) · V

Diese Maße geben an, wie sehr ich etwas „verzerrt“ wiedergebe – im Verhältnis zu dem, was ich für wahr (E) bzw. richtig (V) halte.

 

Nutzenfunktionen

 

Wahrheitsnutzen

UWahrheit = α ⋅ W+ β ⋅ W

  • α, β ∈ ℝ⁺: Gewichtungen für die Bedeutung faktischer bzw. bewertender Wahrheit (z. B. im Kontext: Gericht ≠ Smalltalk)

  • η ∈ ℝ: Zusatznutzen durch wahrheitsbezogene Konsequenzen (z. B. Vertrauen, Selbstwert, Image)

 

Lügennutzen

 

ULüge = λ ⋅ L+ μ ⋅ L+ θ

  • λ, μ ∈ ℝ⁺: Gewichtungen für strategischen Vorteil durch Verschleierung

  • θ ∈ ℝ: extrinsische Belohnung durch Lüge (z. B. Karrierevorteil, Konfliktvermeidung)

 

Kostenfunktionen

 

Wahrheitskosten

 

KWahrheit = γ ⋅ W+ δ ⋅ W+ κ

  • γ, δ ∈ ℝ⁺: Kostenfaktoren für negative Konsequenzen von Wahrhaftigkeit (z. B. soziale Ablehnung, Beziehungsschaden)

  • κ ∈ ℝ: Kontextfeste Zusatzkosten der Offenheit

 

Lügenkosten

 

KLüge = ξ ⋅ L+ ζ ⋅ L+ χ

  • ξ, ζ ∈ ℝ⁺: erwartete Risiken durch Entdeckung oder moralischen Konflikt

  • χ ∈ ℝ: pauschale Lügenkosten (z. B. schlechtes Gewissen, langfristiges Misstrauen)

 

Gesamtentscheidung

Die Gesamtnutzenfunktion ergibt sich als:

 

N(τEV) = Wahrheitsbeitrag + Lügenbeitrag

Wahrheitsbeitrag = UWahrheitEV) − KWahrheitEV)

Lügenbeitrag = ULüge(1−τE,1−τV) − KLüge(1−τE,1−τV)

 

N(τEV) = UWahrheitEV) − KWahrheitEV) + ULüge(1−τE,1−τV) − KLüge(1−τE,1−τV)

 

 

Ziel des Subjekts ist es, die Parameter τE und  so zu wählen, dass:

max N(τEV)

τE∈ [0,1] 

 

Diese Optimierung bestimmt den idealen Wahrheitsgrad pro Dimension, unter Berücksichtigung aller relevanten sozialen, psychologischen und strategischen Faktoren.

 

Anwendungen und Erweiterungen

Das Modell (als Grundlage zum Weiterspinnen, natürlich) lässt sich anwenden auf:

  • persönliche Alltagsentscheidungen („Soll ich ehrlich sein?“)

  • Kommunikationspsychologie (z. B. Konfliktvermeidung vs. Authentizität)

  • KI-Verhalten in simulationsbasierter Ethik

  • strategische Gesprächsanalyse (Politik, Verhör, Verhandlung)

  • metakommunikative Bewertung (Journalismus, Medienethik)

Erweiterbar ist es um:

  • Zeitkomponente: z. B. Wiederholung verändert Bewertung V(t)

  • Interaktive Agentensysteme: Simulation kooperativer oder manipulativer Diskurse

  • Vertrauensdynamikmodelle: Wachsende oder fallende Glaubwürdigkeit bei wiederholter Lüge/Wahrheit

 

Das Modell ist in der Form noch ziemlich additiv. Dennoch wollte es als erste Skizze schonmal raus. 

 

 

Hier folgt auch schonmal das Modell in action, wobei man gleich auch einräumen muss, dass die Quantifizierung der Faktoren noch ziemlich aus der Luft gegriffen ist. Um dem entgegenzuwirken, könnte man anhand der Fragebögen mit den Bewertungsskalas von 0 (gar nicht) bis 1 (total) z.b. in 0,1 Schritten die einzelnen Faktoren gewichten, und aus der großen Befragtentabelle sich dann an die jeweils möglichen Koeffizienten annähern. Das wäre ein sehr umfangreiches Projekt.

 

Die Koeffizienten α, β, η, λ, μ, θ, γ, δ, κ, ξ, ζ, χ wedern zwecks einfacheren Vergleiches alle im Raum [0,1] normiert, auch wenn sie in den Formeln ∈ ℝ⁺ oder ∈ ℝ zugeordnet sind.

 

1. Nette Lüge (Kompliment über einen hässlichen Hemd)

Du siehst den Hemd tatsächlich (E = 1.0), findest ihn aber hässlich (V = 0.1). Du verschweigst deine eigentliche Bewertung komplett, indem du einen Kompliment machst (τV = 0.0), sagst aber nichts Falsches über die Existenz des Hemdes (τE = 1.0).

 

Wahrheitsgewichte:

  • α = 0.1 (faktische Wahrheit ist im Smalltalk kaum wichtig)

  • β = 0.2 (bewertende Wahrheit etwas wichtiger)

  • η = 0.1 (leichtes Plus durch Authentizität)

Lügennutzengewichte:

  • λ = 0.2 (kein großer Vorteil durch Verschweigen der Tatsache)

  • μ = 0.9 (großer strategischer Vorteil durch emotionale Schonung)

  • θ = 0.3 (sozialer Bonus durch Harmonie)

Wahrheitskosten:

  • γ = 0.05 (kaum Kosten durch faktische Offenheit)

  • δ = 0.2 (emotionale Unannehmlichkeit bei Ehrlichkeit)

  • κ = 0.0 (kein zusätzlicher Kontextnachteil)

Lügenkosten:

  • ξ = 0.1 (kleines Risiko, aufzufallen)

  • ζ = 0.1 (leichtes schlechtes Gewissen)

  • χ = 0.05 (kleiner genereller Lügenwertverlust)

Ergebnis:
Der Gesamtnutzen liegt bei 0.48. D.h. die gewählten τE und τV Werte erzeugen einen positiven Nutzen. Die Lüge bringt hier eindeutig einen höheren Nutzen als Wahrheit, da soziale Harmonie in diesem Kontext überwiegt.

 

2. Halbwahrheit (etwas Wichtiges weggelassen, z. B. in der Diplomatie)

Du kennst das Ereignis (E = 1.0) und hast eine gemischte Bewertung (V = 0.6). Du gibst das Ereignis zu 50 % wahrhaftig wieder (τE = 0.5) und deine ehrliche Bewertung zu 70 % (τV = 0.7).

 

Wahrheitsnutzen:

  • α = 0.5, β = 0.4 (die Aussage hat gewissen sozialen Wert)

  • η = 0.0

Lügennutzen:

  • λ = 0.5, μ = 0.4 (strategischer Vorteil durch Unvollständigkeit)

  • θ = 0.2 (taktisches Plus)

Wahrheitskosten:

  • γ = 0.2, δ = 0.1 (mäßige Aufdeckungskosten)

  • κ = 0.0

Lügenkosten:

  • ξ = 0.7 (hohes Risiko, dass die Weglassung auffällt)

  • ζ = 0.4 (moralischer Preis für taktische Verzerrung)

  • χ = 0.1

Ergebnis:
Gesamtnutzen = 0.276
Die Halbwahrheit bringt noch moderat positiven Nutzen, sie ist oft besser als Lüge, aber gefährlich, wenn Entdeckung droht.

 

3. Verschweigen (epistemisches Schweigen)

Du weißt von einer Massenentlassung (E = 1.0, V = 0.8), verschweigst aber komplett die Tatsache (τE = 0.0), bewertest sie aber korrekt (τV = 1.0) (d.h. wenn man dich fragen würde, würdest du sagen, dass es schlimm wäre, wenn eine Massenentlastung passieren würde).

 

Wahrheitsnutzen:

  • α = 0.5 (hoher Wert für faktische Wahrheit)

  • β = 0.4 (Wert für echte Bewertung)

  • η = 0.0

Lügennutzen:

  • λ = 0.8 (großer Vorteil durch Vermeidung von Stress)

  • μ = 0.0 (keine Lüge in der Bewertung)

  • θ = 0.1 (Konfliktvermeidung)

Wahrheitskosten:

  • γ = 0.0, δ = 0.2 (emotionaler Preis für Offenheit)

  • κ = 0.0

Lügenkosten:

  • ξ = 0.9 (hohes Risiko, dass Schweigen auffliegt)

  • ζ = 0.0 (kein schlechtes Gewissen)

  • χ = 0.2 (allgemeiner Lügenkostenwert)

Ergebnis:
Gesamtnutzen = -0.04
Das Schweigen wirkt leicht negativ, da die Gefahr der Entdeckung hoch ist und die Bewertung allein nicht die epistemische Unaufrichtigkeit kompensiert. Wenn du aber in einer Leitungsposition wärest, wäre dein Lügenkostenwert x um einiges höher und dadurch würde das Schweigen noch negativer ausfallen.